Ich habe eigentlich nur darauf gewartet: Der Schlagabtausch in Blogosphäre ob Gewalttätige Computerspiele wirklich Amokläufe o.ä. fördern.
Das Thema ist streitbar, die Meinungen gehen so stark auseinander wie sonst selten bei einem Thema. Aber das ist natürlich, den jeder hat eine andere Sicht auf die Dinge.
Man nehme zum Beispiel den
Polemiker Don Alphonso. Er schreibt seine Meinung bei der FAZ. Kann er auch tun, denn die FAZ bietet mit ihren Blogs eine Plattform um
ausgewählten Menschen ihre Meinung einer breiten Leserschaft kundzutun.
Die kurze Variante: Warum töten Computerspieler, aber niemand der ein Buch liest? Warum hat jemand, der virtuelle Gehirne an virtuelle Wände verteilt das Bedürfnis das in der realen Welt zu tun, aber (ich muss das zitieren)
warum metzelt niemand, der gerade Heines anzügliche Gedichte gelesen hat, ein Mädchen nieder[...]?
Bitterste Polemik von jemandem, der nach eigenen Aussagen kein Computerspiel und keinen Fernseher besitzt.
Jemand der sich anschließend beschwert, das er mit seinem Text die Gamer schar gegen sich heraufbeschwört hat und sie ihn anfeinden. Aber genau das will doch jemand, der in einem solchen Post seine Meinung kundtut: Reaktionen. Das sich dabei dann allerdings Kommentare befinden, "bei denen man gleich den Staatsanwalt anrufen könnte" dabei sind, ist nur natürlich. Wenn ich mich durch das Quakeforum klicke, dann halte ich 75% der Nutzer dort für nicht ansatzweise alt genug sich in der Kneipe ein Bier bestellen zu dürfen. Und ein guter Teil dieser Nutzer dürfte auch eine recht geringe Hemmschwelle haben, sich auf nicht vernünftige Weise im Internet zu äußern. Das dies nicht wirklich tolerierbar ist, steht außer Frage, aber leider ist dies immer mehr Teil der Internetkultur. Dann fängt er aber an Computerspieler mit Nazis zu vergleichen. Sicher, Don Alphonso beschreibt dies mit Journalistischen Feinheiten. Er beschreibt diesen Vergleich eher als das er ihn direkt anstellt. Aber im Grundzug bleibt der Vergleich:
Ich habe das freundlicher gesagt, als ich es meine, denn in meinen Augen sind diese explizit Suchtkranken argumentativ auf dem gleichen Niveau wie die Altnazis bei uns in den Käffern. Es ist immer was anderes, oder was anderes ist noch schlimmer, oder noch dieses und jenes und - na, man kennt das. Kostenlose PR-Truppen für einen widerlichen Wirtschaftszweig.
Und dann ist da
René. In diesem Disput würde ich ihn fast den Anwalt der Computerspieler nennen. Wobei er sich weniger als Anwalt der Spieler betätigt, sondern genau das macht wozu das Web 2.0 erfunden wurde: Er nimmt Alphonsos Vorwurf auf und
nimmt ihn auseinander (nun, das Web 2.0 wurde nicht genau für diese Diskussion erfunden, aber letztendlich für die Art des Diskussion: Greife eine Nachricht auf und bewerte sie und stelle sie wiederrum zur Diskussion frei).
Fonsi vergleicht hier zockende Kids mit Nazis, Neocons und extremistischen Islamisten. Schlampiger kann man nicht arbeiten und der Herr schimpft sich Journalist, ein wenig Recherche hätte gutgetan.
[…]
Donna Bella redet hier über Kinder! Vergleicht sie, nochmal, mit Nazis, Neocons und extremistischen Islamisten. Das ist nicht nur schlampig, das ist schon ein bisschen eklig. Ach was ein bisschen: Fonsi, das ist eine verfickte Scheiße, die Du da grade baust und da geht mir jeglicher Respekt flöten.
Ich meine: René hat recht. Solch ein Niveau leistet sich nicht mal die BILD Zeitung, und die ist sich ja bekanntermaßen für nichts zu schade. Derartige Vergleiche sind mies und haben nichts mit dem Sachverhalt zu tun. Alphonso wird argumentieren, dass er ja auch angefeindet wurde. Das kann aber nicht als Argument gelten, denn er wusste genau welche Reaktionen er mit seinem Beitrag hervorrufen wird. Einen solchen Beitrag stellt man nicht auf eine weit verbreitete Blogseite (die FAZ Blog Seiten werden gelesen und dümpeln nicht einfach im Netz herum) und glaubt dann das nur vernünftige Kommentare dabei herauskommen. (Und dafür hat man ja auch die Kommentarfunktion erfunden: Erst nach der Prüfung freischalten. Das machen Zeitungen mit Leserbriefen schon seid Jahrzehnten so.) Und das er den Folgekommentar dann nicht auf den FAZ Blog Seiten veröffentlich zeigt ja auch eigentlich, das er sich für diesen Vergleich explizit eine andere Plattform ausgesucht hat.
Und so wie ich Prosablogger Alphonso eingeschätzt habe, hat er sich auch verhalten. Er hat auf Nerdcore versucht seine Position in ein anderes Licht zu rücken. Ein Anwalt hätte seine wahre Freude an den Wortwindereien, die Alphonso in den Kommentaren auf Nerdcore betreibt. Und doch bleibt sein Beitrag auf blogbar.de genau das was er ist: Ein schlechter Vergleich, der nicht nur hinkt, sondern vollkommen am Thema vorbei ist. Der Vergleich von Computerspielern mit Nazis hat mit einer vernünftigen Debatte soviel zu tun wie ein Huhn mit Milchgeben.
[Update 15.04.2009]
Auf
gulli.com gibts ein sehr lesenswerte Antwort. Auch wenn sie wie Alphonsos Text leicht polemisch klingt.